Die Chronik der Sixers!

Das war einmal
 
Ein Basketballpunktspiel in der Landesoberliga von Sachsen-Anhalt in der Sporthalle Sandersdorf. Auf der einen Seite die Fans des Gastgebers Union auf der anderen Seite der Bankreihe die Anhänger der Chemiker aus der Kreisstadt. Lang war die Anreise nicht bei höchstens drei Kilometern Luftlinie und irgendwo zwischen den beiden Lagern einige Spieler und Fans aus Wolfen, fünf Kilometer Luftlinie von der Halle. Natürlich "dicke Luft" zwischen den Rivalen auf dem Spielfeld und den auf den Zuschauerbänken. Wer damals gewann? Die Hausherren. Wer damals zum wiederholten Mal verlor? Der Basketballsport in der Region, der sich sinnlos im "Klein-Klein" bekriegte und zerrieb statt seine Kräfte zu bündeln. Dann kam das Jahr 2006.
 
Union Sandersdorf gewinnt Meisterschaft in der Oberliga Sachsen-Anhalt
 
Das war so und sollte immer so bleiben: wenn schon Weißenfels den halleschen Basketballern den Rang abgelaufen hatte, dann sollte wenigstens dahinter die einstige Basketballhochburg Halle dominieren. Die Chancen dafür standen im März 2006 wie immer gut. Der Hallesche SC'96 stand im Play-Off-Finale der Oberliga Sachsen-Anhalt gegen Union Sandersdorf. Nachdem die Saalestädter das Auswärtsspiel gewonnen hatten, brauchten sie den Sack zu Hause nur noch zu zubinden. In der traditionsreichen Halle in der Burgstraße sollte das passieren. Aber zwei Dinge sorgten für eine Überraschung. Die Sandersdorfer glichen mit einem Sieg aus und schlugen in einer dramatischen Partie die Hallenser auch in der entscheidenden dritten Auflage der Play-Off-Serie.
Und das war Teil zwei der Überraschung: von den Rängen in der Burgstraße wurde Union natürlich beklatscht von Fans aus Sandersdorf, aber auch aus Wolfen und Bitterfeld. Union Sandersdorf stieg spektakulär und völlig überraschend in die zweite Regionalliga auf. War das der entscheidende Anstoß für das was kommen sollte?
 
Die Geburtsstunde der Sixers
 
Nach der Sensation in Halle folgte die Bestandsaufnahme in Sandersdorf. Wird die neue Liga zu stemmen sein? Wird das allein gelingen? Oder sollte das "Wir-Gefühl" von Halle nicht dazu führen, alte Schranken zwischen den Basketballern aus Sandersdorf, Bitterfeld und Wolfen niederzureißen und einen neuen gemeinsamen  Verein auf den Weg zu bringen? Auf die Spielzeit von Halle folgte eine genau so intensive Redezeit. Am Tisch federführend die Abteilungsleiter der Basketballsektionen von Chemie Bitterfeld, Anja Petermann, Union Sandersdorf, Bernd Gleau und Chemie Wolfen, Jürgen Richter. Zum Präsidenten der Sixers wurde Bernd Gleau gewählt, Anja Petermann übernahm die Stellvertreterposition.
 
Die BSW Sixers betreten die Bühne
 
Nun war es also da das neue Basketballbaby. Im Geburts- richtiger - im Vereinsregister ist der 21. Juni 2006 als Gründungsdatum für die "Basketballgemeinschaft Bitterfeld-Sandersdorf-Wolfen 06" festgehalten. Aber der sperrige Name hätte auf keine Anzeigetafel gepasst. Ein knuffiges Kürzel musste her und schon rauchten die Köpfe. Wizzards oder Magic wurden aufgerufen und wieder verworfen. Und, so sagt es die Legende und wird auch stimmen, Cornelius Damm, damals Trainer der Sandersdorfer, schaute auf den Kalender und sagte: "Wir schreiben das Jahr 2006. Von der Jahreszahl die 6 dazu von Bitterfeld das B, von Sandersdorf das S und Wolfen das W. Lasst uns das Ganze "BSW Sixers" nennen. Und so kam es dann auch und sprach sich offensichtlich auch bis in das ferne Amerika rum. Immerhin die Philadelphia 76ers aus der NBA wollten keine Verwechslung mit den Sixers aufkommen lassen und ließen bei Androhung heftiger Geldstrafe die Sterne aus dem Sixers Logo entfernen. Die ersten überregionalen Nachrichten brachte das für die Sixers.
 
Lehrgeld in der 2. Regionalliga und ein Jahrhundertwurf
 
Nun also 2. Regionalliga Ost, eine Staffel dominiert von Berliner Vereinen mit einigen Exoten aus den Nachbarbundesländern. Zwei trafen in Cottbus in der Lausitz Arena aufeinander und die White Devils führten mit zwei Punkten bis genau drei Sekunden vor Schluss. Da steigt nach einem Einwurf direkt unterm eigenen Sixerskorb Mark Peters hoch, der erste Amerikaner in den Diensten der Sandersdorfer, und der Ball segelt förmlich durch die ganze Arena und schliesslich in den Ring der Lausitzer. Ein Jahrhundertwurf für die Analen der Sixers und ein unglaublicher 98:97 Sieg der Sixers. 13 Siege in 22 Spielen, keine schlechte Bilanz für einen Aufsteiger, doch die Sixers wollten mehr.
 
Die Ära Espenhahn
 
Er galt als "harter Mann" auf der Trainerbank: Fritz Espenhahn, Basketballurgestein aus Halle, Sportschullehrer und Trainer der erfolgreichen Basketballer aus Aschersleben. Der richtige Coach für die Sixers, der im Sommer 2007 das Zepter in Sandersdorf übernahm und auch einige Spieler wie den späteren Sixersnachwuchstrainer Marcus Brambora mit ins Team brachte. Wieder ein Rekord sollte folgen: Ungeschlagen steigen die Sixers in die 1. Regionalliga auf. Die neuen Namen im Team lassen aufhorchen. Elton Coffield wird der erste Hochkaräter mit dem die Sixers auf Anhieb Platz vier in der höheren Spielklasse erreichen. Die Sixers damit eine Marke auf der Basketballkarte Deutschlands.
 
Anklopfen an die ProB
 
Fritz Espenhahn nimmt seinen Abschied und gibt den Sixers den Rat, dass der "Weg nach oben" ohne Verstärkungen, die außerhalb Sachsen-Anhalts zu Hause sind, nicht zu schaffen ist. Die Sixers zunehmend internationaler, dabei aber darauf bedacht, in der Breite die Region nicht zu vergessen. Auf der Trainerbank saßen Keith Gray, Chuck Evans und schliesslich der langjährige Nationalspieler Stephen Arigbabu. Mit ihm sollte der Aufstieg in den Profibereich gelingen. In der Saison 2010/2011 war es dann soweit. Hinter der Startruppe aus Göttingen landeteten die Sixers auf Platz zwei. Da die Niedersachsen das Aufstiegsrecht nicht wahrnahmen, war der Weg für die Sixers in die ProB frei. Der damalige Präsident, Bernd Gleau, konnte am 29.4.2011 auf der Homepage der Sixers verkünden, dass die Sixers mit einigen nicht gravierenden Auflagen die Lizenz für die 2. Basketball Bundesliga ProB erhalten haben.
 
Turbulente Jahre in der ProB
 
Die Sixers hinterließen schnell Duftmarken in der "Jungen Liga". Ob in Hannover, Wedel oder Oldenburg oder bei den Vereinen aus dem Süden von Basketballdeutschland überall verschafften sich die Sixers Respekt. Denkwürdige Duelle wie gegen die Uni-Riesen aus Leipzig füllten die Halle nahezu bis auf den letzten Platz. Herausragend die Play-off Duelle gegen Bayer Leverkusen im April 2014, wo die Sixers dem Favoriten erst im dritten Spiel des Viertelfinales knapp unterlagen. Prägend in dieser Zeit die Handschrift von Headcoach Tino Stumpf. Der Nachwuchskoordinator des Sixers Kooperationspartners MBC übernahm nach einer Niederlagenserie im Dezember 2012 das Traineramt von Steven Arigbabu. Unter seiner Federführung wurden besonders veranlagte Spieler aus der Nachwuchsbundesliga wie Roland Winterstein, Alexander Herrmann oder Yannick Hennelotter an die erste Herrenmannschaft herangeführt. Tino Stumpf wechselte nach einer erfolgreichen Saison wieder in seine eigentliche Funktion beim MBC. Doch nicht für lange Zeit, denn sein Nachfolger, Torsten Schierenbeck, hatte einen klassischen Fehlstart und wurde erneut von Tino Stumpf abgelöst. Zu diesem Zeitpunkt hatte Manager Maik Leuschner bereits das Präsidentenamt von Bernd Gleau übernommen.  
 
Die Sixers im Aufwind
 
Fast schwindelerregend nahmen die Sixers viele Basketballhürden. Mit dem MBC wurde ein mehrjähriger Kooperationsvertrag abgeschlossen, der den Sixers den Einsatz von Doppellizenzspielern ermöglicht. Zugleich wurden die MBC Junior Sixers gegründet und als gemeinsames Team in der Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL) etabliert. Die Frauenmannschaft stieg in die 2. Regionalliga auf wie ebenfalls die zweite Männermannschaft. Der Verein engagierte sich stark im Nachwuchs und hob ein im ganzen Landkreis erfolgreiches Schulprojekt aus der Taufe. In Kooperation mit der Sparkasse Anhalt-Bitterfeld wurde es möglich, allein in der Saison 2015/2016 über zwei Tausend Kinder in den Schulen an den Basketballsport heranzuführen. Mit dem Basketballkontakt mit den Profis einher gingen Englisch-Stunden mit Sixers Star DJ Bennett.
 
Bitterer Abstieg aus der ProB
 
Die Saison 2014/2015 bescherte den Sixers und ihren treuen Fans die bittersten Stunden in der Vereingeschichte. In buchstäblich letzter Sekunde wurden allein drei Spiele verloren, so beispielsweise gegen die Dresden Titans, als Center Jaroslav Tyrna, heute ein Sixer, mit der Schlusssirene aus dem 69:68 für die Sixers einen Gästesieg machte. Doppelt bitter der Abschied aus der ProB, weil in dieser Saison durch den Abstieg Magdeburgs aus der ProA 13 Teams in der Nordstaffel spielten mit der Massgabe, dass dem Schlusslicht die Play-Downs verwehrt werden. Die Sixers lagen auf Platz 13. Nur fast zeitgleich wurde aber den Magdeburgern die Lizenz entzogen, was den Sixers einen Platz in der Abstiegsrunde hätte bringen können. Die Entscheidung der Jungen Liga ging aber gegen die Sixers.
 
Wieder 1. Regionalliga
 
Mit einem starken Team gingen die Sixers in der Nordstaffel ins Rennen. Ex-Juniorennationalspieler Robert Zinn vom MBC bekam eine Doppellizenz, dazu gesellten sich so starke Spieler wie der tschechische Center Jaroslav Tyrna, der kroatische Forward Sandro Kordis oder der litauische Aufbauspieler Robertas Bitinas. "Mission Wiederaufstieg" stand selbstbewusst auf den Eintrittskarten. Aber die Liga hatte eine Übermannschaft und die hieß Lok Bernau. Die Randberliner schafften ohne Niederlage den Durchmarsch und dem Stumpfteam blieb hinter den starken Spielern aus Cuxhaven, die sensationell im verlegten Heimspiel in der Arena Leipzig geschlagen worden, Platz drei.
Ein Pokal landete aber erneut bei den Sixers, der im Wettbewerb des Landes.
 
Zwei Trikots im Sixers Dome
 
Was wäre die Sixers Geschichte ohne ihre Helden und Publikumslieblinge. Matze Haut war so einer, glänzend im Aufbau und Motivator für Team wie Publikum. Sascha Ansehl natürlich, Mister Zuverlässigkeit in Sachen Dreier oder Frieder Diestelhorst, Kraftpaket und unberechenbares Energiebündel. Nate Gerwig, der sanfte Riese oder Punktemaschine Jeremie Simmons. Viele Namen gäbe es zu nennen. Zwei sind in echter Basketballer-Manier mit ihren Trikots in der Sixershalle in Sandersdorf verewigt. Die Nummer 5 zwischen 2006 und 2012 getragen vom kampfstarken Center Daniel Montag und die Nummer 22. Elton Coffield, zwischen 2007 und 2010 war er der Punktesammler der Sixers.
 
Mission Konsolidierung
 
Die Saison 2016/2017 wieder eine sportliche und vor allen Dingen vereinsinterne Herausforderung für die Sixers. Auch wenn Kooperationspartner MBC aus der Bundesliga abstieg, blieb die Zusammenarbeit mit den Sixers bestehen. Neuer Headcoach nach nach dem Wechsel von Tino Stumpf Richtung Jena wurde der Tscheche Tomas Grepl. In Doppelfunktion war er auch wie sein Vorgänger Nachwuchskoordinator beim MBC. Neu in der Saison war auch das Ziel, das Präsident Maik Leuschner vorgegeben hat. Natürlich eine tolle Saison für die Fans spielen, aber vor allen Dingen den Verein auf allen Ebenen konsolidieren. Im ersten Jahr zurück in der 1. Regionalliga schlossen die Sixers auf Platz 4 ab.
Zu Beginn der Saison 2017/18 wurde der Kader mit dem kroatischen Aufbauspieler Luka Petkovic verstärkt und das Ziel des Aufstiegs ausgerufen. Mit einer tollen Spielweise und einem Mix aus jungen und erfahrenen Spieler wurden alle Stolpersteine gemeister. Durch einen 102:42-Sieg über Bremen am 18. März 2018 wurde der Meistertitel in der 1. Regionalliga Nord gefeiert und damit auch der sportliche Aufstieg in die 2. Bundesliga ProB. Bester Korbschütze der Meistermannschaft war der Litauer Eimantas Stankevicius (17,2 Punkte je Begegnung), dicht gefolgt vom US-Amerikaner Terrence Williams (17,1 Zähler pro Spiel).

Zurück in der Pro B

Die erste Saison zurück in der Pro B war für die Sixers ein Wechselbad der Gefühle. Mit einem Großteil der Aufstiegsmannschaft gelang direkt im ersten Saisonspiel ein Sieg über die Lok aus Bernau. Auswärts war für die Mannschaft, die weiterhin von Tomas Grepl betreut wurde, leider wenige Erfolge zu feiern. Da in der Rückrunde auch die Heimspiele knapp verloren gingen, mussten die Sixers als Tabellenneunter in die Play-Downs. Auf Grund des Rückzugs der ETB Wohnbau Baskets aus Essen aber auch den gesammelten Punkten in der regulären Saison, sicherten sich die Sixers den Klassenerhalt.
In der Sommerpause vor der Saison 2019/20 verließ Tomas Grepl den Kooperationspartner MBC und somit auch die Sixers. Für ihn übernahm Sebastian Ludwig das Traineramt. Auch im Kader gab es große Veränderungen. Justin Smith folgte auf US-Amerikaner Terence Williams, mit Daniel Baslky, Marko Krstanovic und Anthony Okao kamen vom MBC drei neue Doppellizenzspieler dazu. Nach dem großen Umbruch im Sommer folgte Ende September das erste Heimspiel gegen Itzehoe. Der 93:74 Heimsieg sollte der Startschuss für eine tolle Saison sein. Zwischenzeitlich grüßten die Sixers gar von der Tabellenspitze, musste nach einer schwachen Rückrunde aber als Tabellensiebter die Hauptrunde abschließen. Noch bevor es gegen Würzburg in die Playoffs gehen sollte, stoppte die Covid-Pandemie jedoch alles abrupt. 

Die Corona-Jahre

Ende Oktober startete für die BSW Sixers die neue Saison in der Pro B. In der Sommerpause mussten die Vereinsverantwortlichen viele strukturelle Hürden bezwingen. Lange war unklar, ob auf Grund der Covid-Pandemie die Saison überhaupt starten würde. Trotzdem gelang es dem Management den Kader mit MBC-Legende Djorde Pantelic zu verstärken. Kurz vor Saisonbeginn kam zudem mit Lucien Schmikale ein Pro A erfahrenen Guard. Sportlich starteten die Sixers mit einer Niederlage in Wedel, um postwenden im ersten Heimspiel Iserlohn zu bezwingen. Es sollte das letzte Heimspiel mit Zuschauern bleiben. Bereits gegen Lok Bernau waren pandemiebedingt keine Zuschauer mehr zugelassen, doch immerhin ging der Spielbetrieb weiter. Emotionaler Saisonhöhepunkt für die Mannschaft war sicherlich der knappe Auswärtssieg in Münster im Februar 2021. Auch wenn immer wieder Spiele auf Grund von Corona-Fällen verschoben werden mussten, fiel über die gesamte Saisons nur ein einziges Spiel aus. Sportlich schloss man als Tabellenvierter ab und qualifizierte sich erneut für die Playoffs. Im veränderten Modus erreichte die Mannschaft von Sebastian Ludwig das Viertelfinale.

 

verfasst von Manfred Hoffmann

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