Vor rund 600 Zuschauern im Sixers Dome feierten die BSW Sixers einen emotionalen 60:59-Heimerfolg gegen die Iserlohn Kangaroos. In einem hochintensiven und physischen Spiel drehten die Hausherren die Partie mit einem furiosen Schlussviertel – und entschieden sie 2,1 Sekunden vor dem Ende durch einen Tip-in des überragenden RJ Holmes.
Der Start verlief allerdings alles andere als nach Plan. Zahlreiche Ballverluste brachten die Sixers früh ins Hintertreffen, schnell lag man mit 0:8 zurück. Erst nach zweieinhalb Minuten fand das Team in die Partie, als Holmes mit einem Dreier die ersten Punkte der Hausherren erzielte – der Auftakt zu insgesamt 27 Zählern des US-Amerikaners, der an diesem Abend der treffsicherste und prägendste Akteur auf dem Feld war.
Schon im ersten Viertel entwickelte sich ein intensiver Schlagabtausch. Zur Mitte des Abschnitts hatten beide Teams bereits die Mannschaftsfoulgrenze erreicht, vieles spielte sich an der Freiwurflinie ab. Unter den Körben tat sich wenig, beide Mannschaften suchten ihr Glück häufig aus der Distanz. Für die Szene des Viertels sorgte Holmes, der im Fastbreak über das ganze Feld zurücksprintete und den Korbleger von Luca Michels spektakulär blockte. Iserlohn nutzte dennoch seine Freiwürfe besser und führte eine Minute vor Viertelende mit 18:9, ehe die Sixers mit einem 5:0-Lauf auf 14:18 verkürzten.
Auch im zweiten Viertel blieb das Bild ähnlich: viel Intensität, viele Würfe von außen, aber wenig Ertrag für die Sixers. Die Gäste trafen ihre Distanzwürfe etwas konstanter, sodass es mit einem 28:34-Rückstand für die Hausherren in die Kabine ging.
Nach der Pause erwischten die Sixers einen ganz schwachen Start. Offensiv lief fast nichts zusammen, lediglich sieben Punkte gelangen im dritten Viertel – alle aus Korbnähe, nachdem das Team von Headcoach Lukas Varga den Zug zum Korb deutlich verstärkte. Doch die Köpfe wirkten zeitweise wie vernagelt, fünf Minuten dauerte es, bis Holmes erstmals wieder aus dem Feld traf. Gemeinsam mit Emanuel Ozike stemmte er sich offensiv gegen den Rückstand. Vor dem Schlussabschnitt stand es 35:47 aus Sixers-Sicht.
Im letzten Viertel schien zunächst alles gegen die Hausherren zu laufen. Nach dem ersten Iserlohner Korb betrug der Rückstand neun Minuten vor dem Ende 14 Punkte. Doch dann begann die Aufholjagd. Holmes eröffnete sie mit einem Dreier und zwei Freiwürfen, machte den Rückstand wieder einstellig und setzte ein Signal. Die Sixers wurden nun spürbar aggressiver und präsenter: Treffer von Silver Bieling, Ilias Amin und Jarne Jürgens brachten das Team Punkt für Punkt heran.
Als Kapitän Toby Okwuokei knapp vier Minuten vor Schluss seine ersten Punkte an der Freiwurflinie erzielte, war der Rückstand auf vier Zähler geschmolzen – der Sixers Dome kochte. Okwuokei setzte wenig später defensiv mit einem Block ein Ausrufezeichen und vollendete im Fastbreak selbst, niemand hielt es mehr auf den Sitzen.
Zweieinhalb Minuten vor dem Ende glich – natürlich – Holmes per Dreier aus. Sadiq Ajagbe brachte Iserlohn erneut in Führung, Holmes konterte an der Linie. 50 Sekunden vor dem Ende sorgte Okwuokei mit zwei Freiwürfen für das 58:56, doch Christopher Schulz glich im Gegenzug aus – ein Block von Ousike kam minimal zu spät, die Schiedsrichter entschieden auf Goaltending. Neun Sekunden vor Schluss brachte David Pavliak die Gäste per Freiwurf mit 59:58 in Front.
Der letzte Angriff gehörte den Sixers. Youngster Amin fand die Lücke zum Korb, sein Korbleger sprang jedoch vom Ring heraus. Doch dort stand der Mann des Abends: Holmes sicherte sich den Offensivrebound und legte den Ball 2,1 Sekunden vor der Sirene zum 60:59-Sieg in den Korb.
Danach brachen alle Dämme. Spieler, Fans und Fanclub feierten gemeinsam einen dramatischen Last-Second-Erfolg, der die BSW Sixers in der extrem ausgeglichenen ProB-Nordstaffel auf einen Playoff-Platz bringt.
Am kommenden Samstag wartet bereits die nächste Herausforderung auswärts bei der Rostock Seawolves Academy.